Jobcenter

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Termin 11:30 Uhr. Nachdem ich die einzige Verbindung von Kaff A zu Kaff B erfolgreich innerhalb von 54 Minuten Fahrzeit absolviert habe, steige ich aus und muss herzhaft lachen. Neben Kuhwiesen und verwahrloster Industriestandorte steht, in voller Pracht und stolz wie Bolle, ein Festzelt um die Massen zu betanken. Sonst ist hier nichts. Frohen Mutes also zum Jobcenter aufgemacht, wird schon so schlimm werden wie erwartet. Man stelle sich ein Gebäude vor das schon hässlich war, als der picklige Architekt die Idee hatte einfach mal so richtig reinzuscheißen. Eingang gefunden, ich betrete einen gottverlassenen Ort. Es riecht nach gescheiterten Existenzen, billigem Desinfektionsmittel und Dünger, den die Bauern auf die Felder knallen. Termin mit Herrn Soundso im ersten Stock. Hürde Nummer eins, die Tür zum Treppenhaus ist verriegelt. Es gibt eine Anmeldung, hinter verschlossener Tür. Außer mir ist noch ein Herr anwesend, er ist mittleren Alters und in einen Stapel kompliziert aussehender Dokumente vertieft. Nachdem mir an die 20 Schilder in unterschiedlichen Sprachen mehr als deutlich sagen, ich müsse eine Nummer ziehen, tue ich, wie mir geheißen. Kurz darauf ein blechernes PING und Nummer 21 erscheint auf dem digitalen Display, das modernste an der schäbigen Einrichtung. Ich halte einen Zettel mit Nummer 24 in Händen. Ratlos blicke ich mich um, der in die Unterlagen vertiefte Herr erwacht aus seiner Jobcenter Trance und zeigt kopfschüttelnd seinen Zettel mit Nummer 23. Ich klopfe vorsichtig an der Tür zur Anmeldung und berichte, dass das so ja nicht ganz stimmen kann. Der vertiefte Herr wird hereingebeten, ich bekomme gerade noch so meine Frage nach Zugang zum ersten Stock heraus, als eine Litanei an Erklärungen und Fragen über mich hereinbricht. Wer ich denn sei, was ich denn wolle, warum ich in Herrgottesnamen denn eine Nummer ziehe wenn ich doch einen Termin habe und mit wem ich den überhaupt habe und vor allem wann. Ich erkläre, dass ich mich an die Schilder gehalten habe, mit wem ich den Termin habe und erhalte Antwort, dass besagter Herr nicht im Hause sei. Händeringend wird Vertretung gesucht, ich solle doch einfach mal warten, wer hätte es beim Jobcenter vermutet. Nach geraumer Zeit in menschenleerer Halle empfängt mich ein ungepflegter Mann, dem man das Mobbing vergangener Tage ansieht. Naja kill them with kindness. Kaum haben wir den Raum betreten werde ich gefragt, wo denn meine Partnerin sei, ich muss sie verleumden um Ansprüche auf Hilfe vom Sozialstaat zu haben. Fühlt sich nicht gut an. Mein Frust wird etwas ausgeglichen als ich die Zornesfalte Furchen schlagen sehe da ich nicht in seine plump gestellte Falle getappt bin. Er versucht es noch ein, zwei mal mich in Widersprüche zu verwickeln und gibt dann auf. Ich freue mich wie ein Schneekönig. Ich erhalte, nach betretenem Schweigen, das ich mehr als gewillt bin freudig zu ertragen, Unterlagen die ich ausfüllen soll und bekomme die zähneknirschende Antwort, dass ich wohl Anspruch auf Leistungen habe. Nachdem ich zwei ausgedruckte Stellenangebote habe zurückgehen lassen (sie hatten nicht annähernd etwas mit meinem Beruf zu tun), merke ich wie der Mann auf die Uhr blickt und grinst. Ich ahne schreckliches. Er stammelt noch vor sich hin und klickt in den Computer, ich vermute er spielt MineSweeper. Ich frage, ob ich gehen kann. Er druckst noch kurz, ich darf von dannen schreiten. Der Blick auf die Uhr bestätigt meinen Verdacht, ich erwische den Bus nicht. Ein kleiner Preis für das Ausbeuten Vater Staats, ich gönne es dem dicklichen Trottel, der als einzige Erfüllung hat hilfsbedürftige Menschen den Bus verpassen zu lassen, seinen kleinen Sieg und feiere meinen in der sengend heißen Sonne. 

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