Wer suchtet der findet

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Ich habe alles daran gesetzt nicht zu fühlen, nicht zu denken, nicht zu lieben. Betäubt habe ich mich, das Mittel stets von nur geringer Bedeutung, immer auf der Jagd nach Wirkung. Bekommen habe ich die physiologische Reaktion meines Körpers auf mein Handeln. Ich wurde süchtig, bin es noch und werde es stets sein. Ein guter und auf seine hinreißende Art weiser Freund schenkt mir ein Buch, die ersten Seiten bringen die vermisste Inspiration, Inspiration in mich zu blicken, sich über das zu freuen was man sieht. Ich schreibe und die Wörter kommen wie von selbst, nichts klingt schnöde oder banal. Ich habe eine Erkenntnis gefunden. Durch die Sucht werde ich für den Rest meines Lebens gezwungen sein hinzusehen, wachsam und achtsam durchs Leben zu schreiten, mich stets zu bemühen, Bemühungen gegenüber mir selbst. Ich habe, ganz von alleine und unbewusst, mir selbst diese Aufgabe auferlegt. Diese wunderschöne Aufgabe meine Augen zum sehen, mein Herz zum fühlen und meine Hände für die Tat zu nutzen. Ich empfinde kindliche Freude in der Erkenntnis, Erkenntnis über die Rolle der Sucht in meinem Leben. Ich empfand sie als Bürde, wird sie doch als Krankheit betitelt. Unheilbar, das restliche Leben mit einem Makel versehen habe ich mich geschämt, mich abnorm gefühlt. Dabei ist es nur der Wink mit dem Zaunpfahl, nicht mehr und nicht weniger. Hier, schau hin, hier darfst du ansetzen, hier darfst du wirken. Zuerst bei dir, ich möchte zu mir finden, zu mir durch den nach außen gerichteten Blick, durch das Spüren in mein tiefes selbst.