Ich sitze in meinem ergonomischen Stuhl, sinniere was ich schreiben soll. Der Rücken krumm, das rechte über das linke Bein geschlagen, soviel zur Ergonomie. Ich drehe mir eine Zigarette, lasse mich rücklings auf das nah stehende Bett fallen, zünde sie an und sinniere weiter. Was könnte Thema meines geistigen Ausflugs werden, der Rauch steigt in unendlichen schönen Mustern auf. Es ist meine schlechteste Angewohnheit, das Rauchen. Das Suchtmittel mit der wohl geringsten Befriedigung, der sicherste Weg in ein frühes Grab. Glimmstängel, Fluppen, Sargnägel. ‚Don’t want to grow old so I smoke just in case.’
Es war das erste Aufbäumen gegen alles was Recht und Ordnung entspricht. Jeder Raucher wird Kindern erklären, es sei bescheuert, koste viel Geld und schmecke nicht einmal gut. Ich fand schon immer die Leute cool die geraucht haben. Querulanten, eine Subkultur für sich. Wie lächerlich, cool aussehen, dazugehören wollen. Was machen Zigaretten eigentlich mit mir? Sie grenzen mich für 5 Minuten von dem Rest der Welt ab. Ich verstecke mich hinter dichten und stinkenden Rauchschwaden, mir gefällt der Geschmack, ich spüre, dass ich atme, am Leben bin. Meine erste Erfahrung mit einer Zigarette war leider positiv. Direkt auf Lunge. Keine Übelkeit, der Geschmack taugt. Ich spüre das den Kopf leicht machende Gefühl zum ersten Mal und bin verliebt. Verliebt in die Möglichkeit auf Knopfdruck ein angenehmes Gefühl zu spüren, mittlerweile 9€ für einen Tag voller kurzer Pausen mit Gefühl. Mein Suchtweg scheint geebnet. Eigentlich kotzt es mich an, tausende Zigaretten pro Jahr, die Lunge schwärzer und schwärzer. Ich kann nicht aufhören, habe es mehrfach versucht. Zu weit entfernt die Konsequenzen, zu abstrakt die Vorstellung Lungenkrebs oder Ähnliches zu bekommen. Ich werde unruhig, kann mich nicht konzentrieren wenn ich nicht qualme, spüre das Leben nicht, brauche das ekelhafte Kratzen im Hals.
Eigentlich bitter. Ich bin seit 37 Tagen nüchtern, schlage mich durch, bekämpfe den Affen. Nur die Kippen, die Kippen dürfen nicht fehlen. Nervosität wenn sie knapp werden und kein Automat oder Ähnliches greifbar ist. Eine riesige Industrie hinter all dem, wie bei jedem Suchtmittel. Milliarden an Steuereinnahmen, schlaue Köpfe werden aktiv und versuchen das mittlerweile mit Makeln behaftete Image der Raucher aufzuwerten mit technischen Schnickschnack, mit nach Pups riechenden IQOS wieder elegant zu machen. Ich frage mich wie sehr sich die Investoren ärgern, Millionen in ein nach Pups riechendes Unterfangen investiert. Noch schlimmer finde ich die Wasserdampfspeienden, riesige Wolken teuer bezahlten Liquids mit beißendem Melone-Apfel-Einhornkotze-Geruch in die Hemisphäre ballernden Vaper. Steh doch einfach zu deiner Nikotinsucht, was soll die Illusion was besseres zu sein, ich kann mir nicht vorstellen, dass das deutlich gesünder sein soll. Eigentlich habe ich unrecht, alles ist besser als tausendfach die getrockneten Pflanzen anzuzünden welche Krebs erregen, deine Lunge teeren und dich für alle Unbeteiligten enorm stinken lassen. Gras rauchen scheint eine lohnende Alternative zu sein, hat es doch viele medizinisch erwiesene, positive Wirkungen, ist nicht ganz so Krebs fördernd, macht dich entspannt und faul statt krank und stinkend. Überzüchtete Haze Scheiße im Umlauf, mit normalem Dope hat das alles nichts mehr zu tun. Es kitzelt Psychosen aus dir raus, ist fast schon eine harte Droge geworden. Hast du während der Hippie Bewegung noch 2-5% THC Gehalt im Kiffgras gehabt bewegen wir uns mittlerweile im Bereich um die 20-30%. Wann Bubatz legal, Herr Scholz? Ich habe Hoffnung, könnte ein kontrollierter Anbau doch für einen kontrollierten Rausch sorgen, mit Beipackzettel und Gebrauchsanweisung. Gleichzeitig ist es ein Projekt der deutschen Regierung, ich weiß ja nicht wie berechtigt meine Hoffnung ist.
Genug gemeckert, ich drehe mir mal eine.