Ausgeburt

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Die Medikation greift, der Kopf schweigt. Weg ist der bunte Strang an Empfindung, weg das unangenehme Gefühl. Ich bin gedämpft, wie ein Kloß im Topf werde ich konstant der Wärme ausgesetzt, bis ich auftaue, weich werde und zu den anderen Klößen im System passe. Leben ist langweilig, die Spannung fehlt. Wo Ekstase, wo intensive Gefühle waren, ist nur noch Ödland. Gleichbleibende Stimmung, kein Ausreißen meines Kopfes. Lahm wie Phillip meine Worte, banal, schnöde. Ich langweile mich zu Tode. Ich will das volle Leben, fühlen, was es zu fühlen gibt, immer auf der Jagd nach dem nächsten Hoch oder Tief. Hauptsache extrem. Nichts befriedigt meine Gier, den mir innewohnenden Dämon. Sein heutiger Name ist Langeweile. Gib mir Abwechslung, gib mir Ruhe, gib mir genug Verstand, das alles zu verstehen. Wie kann es sein, dass ich nur Tage nach den Abgründen mich nach den Abgründen sehne? Wie kann ich es wagen zu vergessen, was ich durchgemacht habe? Wie kann ich es wagen, die Abgründe zu vermissen? Alles ist besser als nichts zu fühlen. Ich fühle nicht nichts. Der Sound hämmert in mein Hirn, nimmt mich mit auf eine Reise zwischen den Riffs, entführt meine Gedanken zu Sehnsüchten aus vergangenen Tagen, ruft in mir die verblassende Erinnerung eines starken Gefühls hervor. Ich will mich genau so fühlen wie damals, damals voll im Rausch. Mich selbst verlieren, das Ruder aus der Hand geben, die wilde Welle reiten. Doch nichts da, nun soll es vorbei sein. Vorbei ist all die Lebenslust, die Jagd nach extremen Highs und extremeren Downs. Sehe ich das wirklich ein? Gibt es denn nichts dazwischen? Ich will, ich will, ich will verdammt sein. Der Teufel. Er hat mich, meine Seele längst verpfändet, vielleicht an die Höllenbank, zu groß die eigene Schuld. Gefällt mir, wer da aus der Psychose zurückgekommen ist? Ich weiß ja nicht. Wandelndes Paradoxon, ein Idiot mit Hirn. Oder eher Hirn mit Idiot?

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